Wolfshunde

Wolfshunde sind Hunderassen, die mit Wölfen gekreuzt sind. Dabei ist die Generation der letzten Einkreuzung vom Wolf maßgeblich entscheidend. Ab der fünften Generation zählen die Verpaarungen als Hunde und dürfen somit gehalten werden. Davor, also bis zur Vierten, sind die Tiere noch Wolfshybriden und unterliegen in Deutschland einem strengen Schutz.

Mit ihrem Aussehen faszinieren wolfsähnliche Hunde. Ein Trend zu Hunderassen, die an Wölfe erinnern, ist seit Jahren zu beobachten. Oft fällt auch der Begriff Wolfhunde, also ohne einem „s“ in der Mitte. Diese Bezeichnung ist an sich sogar richtiger.

In diesem Artikel geht es neben den allgemeinen Merkmalen und dem Erscheinungsbild von Wolfshunden zudem um den Charakter und die Haltung. Außerdem stelle ich dir wolfsähnliche Hunderassen genauer vor.

Merkmale und Erscheinungsbild

Wie sieht ein Wolfshund aus?

Wolfshunde haben das Aussehen eines Wolfes. Sie sehen ihm teilweise schon fast zum Verwechseln ähnlich aus. Und das ist kein Zufall. Das Aussehen ist häufig der wesentliche Faktor bei der Züchtung. Fell und dessen Struktur sollen an einem Wolf erinnern. Lediglich beim Farbton unterscheiden sich die wolfsähnlichen Hunderassen.

Größe und Gewicht

Die Widerristhöhe beträgt 60 cm oder mehr. Wolfshunde sind zwischen 25 und 45 Kilogramm schwer. Durch die Anzahl an unterschiedlichen Wolfshunderassen variiere aber Größe und Gewicht. Sogar innerhalb einer Rasse kommt es zu Ungleichheiten.

Lebenserwartung

Die Lebenserwartung von Wolfshunden ist 16 bis 17 Jahre. Damit entspricht sie in etwa der Lebenserwartung von Wölfen in Gefangenschaft und liegt deutlich höher als die von Wölfen in freier Wildnis.

Charakter und Wesen

Wolfshunde sehen zwar dem Wolf sehr ähnlich, vom Charakter und Wesen unterscheiden sie sich dennoch stark. Bei wolfsähnlichen Hunderassen wird Wert auf die Eigenschaften von Hunden gelegt. Denn nur so taugen die Vierbeiner zum Leben mit dem Menschen. Sie gelten als temperamentvoll, sehr wachsam, denken selbständig und reagieren schnell. Der Wille, dem Herrchen zu gefallen, fehlt meist. Sie sind auch bereit sich zu verteidigen, sollten bedrängende oder bedrohende Situationen aufkommen.

Erziehung und Haltung

Wolfshunde ordnen sich nicht einfach so unter. Die Aufgabe von Besitzern ist es, ein Rudelchef zu sein und den Hund zu führen. Geduld und Zeit ist der Schlüssel für eine enge Beziehung zwischen Herrchen und Haustier. Oft dauert die Erziehung etwas länger als bei anderen Hunderassen. Wolfsähnliche Hunde schließen sich ihren Menschen nicht an. Sie betrachten die Familie und die Menschen in ihrer Umgebung eher als Teil ihres Rudels.

Die Erziehung beginnt schon bei den Wolfshundewelpen. Eine konsequente Haltung ist unbedingt nötig. Auch eine frühzeitige Sozialisierung ist bei den Tieren sehr zu empfehlen, denn Welpen sind oft schreckhaft. Sie sollten früh an neue Dinge herangeführt werden. Damit legt sich die für einen Wolf übliche, fast misstrauische, Zurückhaltung. Fehler bei der Erziehung lassen sich bei Wolfshunden eher nur mit einigen Schwierigkeiten wieder geradebiegen.

Aktivität

Wolfshunderassen stellen besondere Anforderungen an ihre Halter dar. Je nach Rasse ist die Haltung mehr für erfahrende Hundebesitzer geeignet, die sich auf ihre Bedürfnisse einstellen können. Ihr Verlangen nach Aktivität ist groß. Sie brauchen regelmäßige Beschäftigung und viel Bewegung. Die meisten Wolfshunde benötigen einen Garten, um sich wohlzufühlen und sind nicht gerne alleine. Sie sollten sich nicht unterfordert fühlen, da sie sonst auf die Idee kommen können, sich selber eine Beschäftigung zu suchen. Das könnte zu überraschenden Ergebnissen führen.

Wolfshunde an heißen Tagen

Je nachdem, welche anderen Vorfahren die Rasse der Wolfshunde hat, ist sie mehr oder weniger hitzeempfindlich. Sind die hündischen Vorfahren beispielsweise Huskys, mögen sie die Hitze noch viel weniger, als diese wolfsähnlichen Rassen, die von Schäferhunden abstammen. An heißen Tagen sollten Aktivitäten eher in den Morgen- und Abendstunden stattfinden.

Wolfsähnliche Hunderassen

Die am meisten wolfsähnlichen Hunderassen sind Wolfshunde. Sowohl im Aussehen, wie auch vom Charakter her ähneln sie mehr, als andere Rassen. Das liegt an dem einfachen Umstand, dass der Wolf eingekreuzt ist.

Offiziell gibt es nur zwei von der FCI anerkannte Wolfshunderassen. Es gibt daneben aber noch weitere, nicht Anerkannte und diese, die zwar den Namen Wolfshunde tragen, aber keine sind.

Anerkannte wolfsähnliche Hunde

Von der FCI sind zwei wolfsähnliche Hunderassen anerkannt. Es ist der Tschechoslowakische Wolfhund und der Saarlooswolfhund. Beide Rassen wurden ursprünglich gezüchtet, um die Eigenschaften des Deutschen Schäferhundes zu verbessern.

Tschechoslowakische Wolfhund

Der Tschechoslowakische Wolfshund wird auch Tschechischer Wolfshund genannt. Er ist aus einer Kreuzung von Karpatenwölfen und Deutschen Schäferhunden entstanden. Ursprünglich wurden diese Tiere gezüchtet, um sie für militärische Zwecke beim tschechoslowakischen Sondereinsatzkommando einzusetzen. Diese Wolfshunde können als Familienhunde gut gehalten werden. Sie benötigen aber ein großes Grundstück und sind nicht gerne alleine.

Saarlooswolfhund

Der Saarlooswolfhund ist entstanden, weil Anhänger des Deutschen Schäferhundes sich einen Schäferhund wünschten, der mehr natürliche Eigenschaften aufweist. Deshalb wurde ein Schäferhund mit einem Wolfshund gekreuzt. Saarlooswolfhunde sind ausgesprochen sensible Tiere. Sie sind zurückhaltend bis gar scheue. Sie haben teils einen stark ausgeprägten Fluchttrieb, wenn ihnen etwas Angst macht oder sie erschreckt. Ihrem menschlichen „Leitwolf“ gegenüber zeigen sie sich sehr anhänglich und treu ergeben.

Nicht anerkannte wolfsähnliche Hunde

Neben den beiden von der FCI anerkannten Wolfshunden gibt es sechs wolfsähnliche Hunderassen, die von der FCI nicht anerkannt sind. Es sind der Tamaskan, der Marxdorfer Wolfshund, der Kunming Wolfhund, der Amerikanische Wolfhund, der Lupo Italiano sowie der Perro Lobo Herreno, der auch Hierran Wolfshund genannt wird.

Tamaskan

Die Tamaskan Wolfshunde stammen ursprünglich aus Finnland. Sie sind aus einer Kreuzung von verschiedenen Schlittenhunderassen und Wolfshunden entstanden. Das Ziel der Züchtung war eine Rasse zu erschaffen, die das Aussehen eines Wolfes und die Charaktereigenschaften eines Haushundes in sich vereint. Sie sind gehorsam und agil. Als Familienhunde sind sie hervorragend geeignet. Auch als Schlittenhunde oder Fährtenhunde können sie gut eingesetzt werden. Wachhunde sind sie aber nicht, da sie Fremden gegenüber sehr freundlich auftreten.

Marxdorfer Wolfshund

Die Rasse Marxdorfer Wolfshund gibt es noch nicht lange. Ihren Ursprung hat sie aus der Kreuzung vom Saarlooswolfhund und einem Weißen Schäferhund. Das Ziel dieser Züchtung war ein Hund, der aussieht wie ein Wolf und den Charakter eines Schäferhundes besitzt. Marxdorfer Wolfshunde sind ruhig, freundlich, aufmerksam und suchen eine enge Beziehung zu ihrem Rudel. Sie sind intelligent und arbeitsfreudig. Manchmal jedoch reagieren sie etwas sensibel und zurückhaltend. Dieses Verhalten ist aber bei diesen Hunden weitaus weniger ausgeprägt als beim typischen Saarlooswolfhund.

Kunming Wolfhund

Der Kunming Wolfhund stammt aus China. Er ist mittelgroß und wurde ursprünglich gezüchtet, um die Polizei und das Militär zu unterstützen. Mittlerweile werden sie in China oft als Haustiere gehalten. Sie sind treu und liebevoll gegenüber ihren Besitzern. Fremden gegenüber aber verhalten sie sich eher reserviert. Diese Wolfshunde sind vom Aussehen und Charakter mehr einem deutschen Schäferhund ähnlich und weniger dem Wolf. Dadurch ist die Rasse eine Ausnahme unter den wolfsähnlichen Hunderassen.

Amerikanischer Wolfhund

Amerikanische Wolfhunde sind gezüchtet, um im Aussehen und im Charakter dem Wolf zu ähneln. Bei dieser wolfsähnlichen Hunderasse wurde sehr darauf geachtet, dass keine Inzucht entsteht. Es wurden ruhige Hunde, wie Alaska Malamut, Siberian und Alaskan Husky sowie Weiße und Deutsche Schäferhunde eingekreuzt. Bei lauten Geräuschen reagieren sie schnell sehr sensibel. Sie benötigen viel Aufmerksamkeit und viel Beschäftigung. Zur Einzelhaltung sind Amerikanische Wolfhunde nicht geeignet. Sie benötigen unbedingt einen Gefährten.

Lupo Italiano

In den 1960er-Jahren wurde auch in Italien der Versuch unternommen, dort lebende Wölfe und Hunde zu kreuzen. Bei diesem verhielten sich viele der Tiere eher wie Wölfe als wie Hunde. Andere Kreuzungen, die weniger scheu waren, wurden als Rettungshunde oder als Lawinensuchhunde ausgebildet. Die Zucht unterliegt heute den Forstbehörden vor Ort. Zum Verkauf sind keine dieser Wolfshunde freigegeben.

Perro Lobo Herreno oder Hierran Wolfshund

Der Perro Lobo Herreno wurde auf der Insel El Hierro, die zu den Kanarischen Inseln gehört, gefunden. Daher trägt er auch den Namen Hierran Wolfshund. Wie diese Rasse auf die Inseln kam ist unbekannt. Bereits im 15. Jahrhundert gab es die wolfsähnlichen Hunde auf den Kanarischen Inseln. Bis heute vermutet man aufgrund ihres Aussehens lediglich, dass sie aus Kreuzungen von Wölfen und Hunden entstanden. Der Perro Lobo Herreno wurde als Hütehund gehalten. Er ist inzwischen vom Aussterben bedroht, auch wenn man ihn auch auf anderen Kanarischen Inseln findet.

Hierran Wolfshunde sind kleiner als typische Wolfshunde und als kleinere Version dem arabischen Wolf sehr ähnlich. Diese Rasse gilt als ausgeglichen. Im Gegensatz zu anderen Wolfshunderassen können sie auch problemlos in einer Wohnung gehalten werden. Bei Hundesportarten geben sie ebenfalls eine gute Figur ab.

Gar keine Wolfhunde

Es ist kein Zufall, dass der Irische Wolfshund und der Barsoi, auch Russischer Wolfshund genannt, bei der Vorstellung der einzelnen wolfsähnlichen Hunderassen fehlen. Beide Rassen sind nicht mit dem Wolf eingekreuzt. Vielmehr sind sie speziell für die Jagd auf Wölfe gezüchtet und tragen deshalb den Namen. Beide zählen zu den Windhunden und sind damit keine wolfsähnlichen Hunde.

Sind Wolfshunde in Deutschland erlaubt?

Die Haltung der wolfsähnlichen Hunde ist ab der 5. Generation seit der letzten Einkreuzung eines Wolfes erlaubt. Davor gelten die Tiere als Wolfshybriden und sind genauso geschützt wie reine Wölfe. Die Haltung von Wölfen und von Wolfshybriden ist genehmigungspflichtig. Wolfshunde sind aber gesetzlich problemlos Zuhause haltbar.

Sind Wolfshunde gefährlich?

In Deutschland geht man davon aus, dass die Mischlinge ab der 5. Generation nur einen geringen Anteil an Wolfsblut, den sogenannten Low Content, besitzen. Bei den meisten Vertretern der Wolfshunde beträgt der Anteil rund 12 bis 15 %. Sie werden deshalb als nicht aggressiv eingestuft. Doch dieser, wenn auch nur kleine Teil an Wolfsblut, bringt dennoch eine Unberechenbarkeit mit sich. Dies sollte bei all der Faszination nicht vergessen werden. Am Ende gehört dieser Anteil weiterhin zu einem Tier, welches wild und unberechenbar lebt.

Auch solltest du dir bewusst sein, dass du mit einer wolfsähnlichen Hunderasse eher einen Partner und weniger einen typischen Hund hast. Auch wenn er dich als Rudelchef akzeptiert, zeigt er keinen blinden Gehorsam. Sein mögliches Misstrauen gegen fremde Personen sollten Besitzer immer im Kopf haben. Die Tiere wissen sich zu verteidigen, wenn sie sich bedroht fühlen.

Eine ganz besondere Beachtung bekommt die Wahl des Züchters. Durch einen unseriösen Züchter wird eventuell nicht nur ein wolfsähnlicher Hund, sondern gleich ein halber Wolf ins Haus geholt. Dieser wäre für die private Haltung zu gefährlich.